Harfe

Seile, Schnüre wird man schon sehr früh gehabt haben. Sie erleichtern das menschliche Tun. Schwere Dinge, die nicht mehr zu tragen sind, können bewegt werden, gezogen statt getragen. So zieht man die Töne aus den Materialien indem man Spannung aufbaut, indem man konkret wird, die Dinge in die Hand nimmt. Im trägen Zustand klingt nichts, es, sie die Materie verlangt vom Gegenüber Aufmerksamkeit, Spannung, Klarheit, Entscheidung. Die Sinne des Menschen und der Materie sind gespannt, sind sinn-erfüllt um Sinn zu generieren. Eine Saite klingt erst, wenn sie gespannt ist, wenn die Moleküle, die Bestandteile in einem potentiellen hohen Grad von Bewegungsenergie versetzt sind.

gerhard baum

Erst dann sind die Voraussetzungen geschaffen, um Töne zu entwickeln, Klänge entstehen zu lassen, indem man die Saite anzuzupft, anzuschlägt, anstreicht, sie in Bewegung versetzt. Die Weichheit des Tons, die Klarheit seines Ein- und Ausschwingens, seine ART sich auszubreiten erweckt immer wieder Assoziationen, die gesprägt sind vom langen Denken im Klang. Vom Hören, vom Erfahrenhaben des Tönens der Wälder, der Seen, der Bäume, der Winde, des Regens, der Elemente in ihren Tempi, Klangfarben, Intensitäten. Hier wird angeknüpft, wird weitergedacht, wird die Welt verbunden. Das hörten die griechischen Philosophen, sah Pythagoras, als er die lange Saite in verschiedenen Teilen schwingen sah, als er dies ausmass und die Obertonreihe beschrieb, als er die Ordnung fand, die er auch an anderer Stelle erkennen konnte. Als ihm klar wurde, daß Natur, zwar immer ein wenig anders, aber im Prinzip durchgängig in Proportionen schwingt. Und so hörte er es auch bei den Hämmern und fand die Analogie. Und er sah es bei den Sternen und fand die Analogie. Und er sah und erfuhr es bei den Menschen und fand die Analogie. Was für eine Wahrnehmung und Entdeckung des aus der Genesis Geschaffenen, welches im Choral des Papstes Gregor seine klangliche Würdigung erfährt. Und die Harmonien der Saiten im horizontalen Klingen als sich bewegende Säulen spürt und denkt.

Treffen die beiden Ebenen zusammen, entsteht eine Potenzierung des auf verschiedenen Ebenen gedachten und erfahrenen. Diese Grade der Potenzierung zu untersuchen ist eine umfassende und fast überwältigende Aufgabe. Dies erreicht andere, sprachlich schwer zu vermittelnde, da nicht eindimensional angelegte Bereiche und humane Kategorien. Das Zeichen für diese Bereiche könnte im Sehen helfen, dem Hören mit auf den Weg zu kommen. Dazu bedarf es einiger Anstrengungen, die schon im eigenen künstlerischen Tun gegangen worden sind, die aber weiter zu verfeinern sind. Lasst es uns tun.

     

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